Das Beste für’s Kind! Elternbildung in Sachen Religion

Wie kann man Mütter und Väter zur religiösen Erziehung zu ermutigen?

Dieser Frage stellten sich in Berlin pädagogische und religionspädagogische Fachkräfte aus Kitas, Grundschulen und Kirchengemeinden beim Fachtag „Das Beste für’s Kind!“ des Bereichs Ehe, Familie, Alleinerziehende des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin. Sie alle kennen die Situation aus ihrem beruflichen Alltag nur zu gut: da sitzt beim Elternabend die „ganz christliche“ neben der eher esoterisch interessierten Mutter, der religiös unmusikalische Vater neben dem, der ganz genau weiß, wie religiöse Erziehung zu gehen hat oder auf keinen Fall gehen darf.

Die Erwartungen, die von Müttern und Vätern an die „Erziehungsprofis in Sachen Religion“ gestellt werden, sind groß - und gleichzeitig genauso unterschiedlich wie die Mütter und Väter selbst. Eine große Herausforderung für alle, die sich der „Elternbildung in Sachen Religion“ verschrieben haben!

Aber so vieles die Eltern unterscheidet, so vieles verbindet sie auch: Sie wollen das Beste für ihr Kind! Eigenständig soll es werden, verantwortungsvoll und lebensfroh! Für die einen gehört dazu die Beheimatung in der christlichen Religion, andere wollen dem Kind zumindest den Raum der Spiritualität nicht verschließen. Nur: wie geht das?

Vom Reichtum unterschiedlicher Wege

Welcher Schatz in diesen - zunächst vielleicht erschreckend - unterschiedlichen Erwartungen von Müttern und Vätern verborgen ist, enthüllten Sabine Schäfer und Regine Hain, die durch durch den Tag führten, mit einem Bild:

„Wie man weiß, gibt es nie nur einen Weg, um einen Berg zu besteigen. Wenn der Berg wirklich groß ist, führen immer viele Wege zu seinem Gipfel. Berge sind einfach zu groß für nur einen Aufstieg. Mit der Religion ist es ebenso. Gott ist eine so große Vorstellung, eine so wichtige Sache, ein so bedeutendes Wesen, dass, ganz egal, wie viele Wege wir auch beschreiten, um Gott und Gottes Lehren zu verstehen, wir sie nie alle gehen können … Denkt daran, dass wir diesen Berg alle gemeinsam erklimmen. Wenn Ihr also andere Wanderer auf anderen Wegen trefft, dann bleibt stehen und unterhaltet euch mit Ihnen. Erzählt ihnen, was ihr auf eurem Weg gelernt habt. Fragt sie, was sie auf ihrem Weg erfahren haben. Und vergesst nicht, euren Proviant mit ihnen zu teilen und ihnen ein paar von euren Wanderliedern beizubringen.“ (aus: Hartman Gellmann, Wo wohnt Gott? Carlsen-Verlag, 1997)

Die Bergwanderung Richtung Gipfel und alles, was man dazu braucht, waren deshalb auch die thematischen Orientierungspunkte des Fortbildungstages:

  • Es ist gut, nicht allein zu gehen, in Beziehung zu sein.
  • Ein positives Lebensgefühl, um auch an schwierigen Stellen nicht den Mut zu verlieren.
  • Fragen stellen, um den Weg zu finden.
  • Die Erfahrungen von anderen Menschen, die diesen Weg schon gegangen sind - zu finden in den Geschichten der Bibel.

Um nur eine Facette des Tages zu nennen: Befragt, was das Ziel ihrer religiösen Erziehung sei, formulierten die Erzieher/innen, Schulseelsorger/innen, Lehrer/innen und pastoralen Mitarbeiter/innen:

  • „dass das Kind Vertrauen in seine Welt entwickelt“
  • „Herzenswärme weitergeben“
  • „den Blick für die Mitmenschen“
  • „Gott ins Leben miteinbeziehen“
  • „geliebt werden und lieben können“
  • „hoffnungsvoll und lebensmutig!“
  • ...

Religiöse Erziehung beginnt also nicht erst da, wo explizit von Gott die Rede ist, sondern da, wo ein Kind geliebt wird und lieben lernt, also wahrgenommen und angenommen wird, wie es ist. Wo es durch die Bindung an die Eltern lernt, auch mit andern Menschen in Beziehung zu sein. Wo eine lebensbejahende Haltung gefördert wird und die Frage nach dem Sinn des Lebens und des Erlebten gestellt werden darf.

Und genau diese Haltung gilt es im Kontext der religiösen Elternbildung auch bei Müttern und Vätern zu unterstützen.

Eine lebensbejahende Haltung stärken - zur Sinnfrage ermutigen

Wie das geht, brachten uns die Referentinnen auf der Grundlage des Konzeptes von „Kess erziehen: Staunen. Fragen. Gott entdecken“ sowie durch die „kesse“ Umsetzung in der Praxis näher: ausprobieren, sich mit dem Kind auf die fragende Seite stellen, in biblischen Geschichten die Grundbedürfnisse (nicht nur) des Kindes entdecken, das positive Lebensgefühl von Kindern auch in heiklen Situationen stärken.

All das wurde praktisch ausprobiert und miteinander erlebt, reflektiert und mit hilfreichen Informationen aus der Hirnforschung, dem Salutogenesemodell Antonovskys, der Individualpsychologie Alfred Adlers vertieft.

Um in dem eingangs beschriebenen Bild vom Bergsteigen zu bleiben: Wir haben unseren Proviant miteinander geteilt. Der Erfahrungsaustausch hat gestärkt und Lust gemacht, weiterzugehen.

Ein gelungener Fortbildungstag!

Ute Eberl

Weiterführende Informationen:

Erzbischöfliches Ordinariat - Ehe, Familie und Alleinerziehende
Ute Eberl
Postfach 040406, 10062 Berlin
Tel. 030-32684-531, ute.eberl[ät]erzbistumberlin.de